Bialowieza, an der weißrussischen Grenze. Es ist schon spät am Abend und es dämmert. Wir sind mit unseren Rädern mitten im Urwald. Vögel zwitschern und leise raschelt es zwischen den Zweigen. Sonst ist nichts zu hören. Langsam steigt Nebel vom Boden auf. Wir sind schon spät dran und treten etwas kräftiger in die Pedale. Wir haben soeben unsere Leihräder getestet und sind hochzufrieden. Zwar sind die Wege hier etwas sandig und man rutscht manchmal etwas, aber wir haben Spaß dabei.
Der Reiseveranstalter
Ökologisch reisen schont die Natur und bietet gleichzeitig ein intensives Naturerlebnis. Durch Recherchen im Internet stieß ich auf den Reiseanbieter ReNatour, einer der wenigen, die ökologische Reisen im Programm haben. Außer Radtouren bietet das Unternehmen auch Wanderungen oder Kanufahrten an und hat sich vor allem auf Familienreisen spezialisiert. Ein besonderes Highlight sind die Zigeunerwagenferien im französischen Elsass und in Tschechien.
Landestypisches Essen
Im Hotel erwarten uns bereits schön dekorierte Tische mit Salaten, Obst und kleinen Vorspeisen. Wir bekommen ein sehr vielseitiges landestypisches Essen. So etwa die hier übliche Steinpilzsuppe. Selbst für die Vegetarier ist gesorgt: bunte Salate, Teigwaren oder auch Fisch werden angeboten.
Der Urwald
Im Urwald gibt es sehr viele Tierarten, die in einem abgegrenzten Naturreservat auf einem Fleck besucht werden können: Wölfe, Elche, Rotwild, Wisente, Wildwaldpferde und Wildschweine. Die Radtouren durch den Urwald führen über größere und kleinere Wege. Manchmal müssen wir auch mal absteigen, weil sich der Urwald auf den Weg ausdehnt: Entweder wächst eine große Wurzel über den Weg, oder wir müssen die Fahrräder auf einen Sumpfsteg heben, um nicht im Moor zu versinken.
Picknick in der Natur
Am Mittag picknicken wir allein auf einer Waldlichtung. Wir haben uns mit regionalen Lebensmitteln im Tante-Emma-Laden eingedeckt und genießen nun unsere kleine Brotzeit unter freiem Himmel. Um uns herum ist es sehr still. Außer den Vögeln im Wald ist nichts zu hören.
Gänse- und Storchengeschnatter
Nach drei Tagen in Bialowieza werden wir mit dem Bus in ein anderes Naturschutzgebiet gebracht: den Narew Nationalpark. Wir finden uns in einem typisch traditionellen Dorf wieder. Die Dorfidylle erinnert an Zeiten vor den beiden Weltkriegen. Gänse, Hühner und Hunde laufen frei auf der Straße. Die Hauptstraße ist immer noch nicht asphaltiert. Auf den Dächern schnattern Storchenpaare. Am Abend genießen wir ein gutes Bioessen mit Salat, Hähnchen und hausgemachtem Kuchen.
Kanutour auf dem einsamen Fluss
Mit dem Rad geht es weiter zum Biebrza-Nationalpark, dem dritten Nationalpark auf unserer Reise. Nach einer Tagesetappe sind wir in Goniadz, einem kleinen Dorf am Rande des Parks. Als Alternative zum Radfahren probieren wir es einen Tag lang mit einer Kanutour auf der Biebrza. Ein Fischotter springt vor uns ins Wasser. Seltene Vögel fliegen über unseren Köpfen hinweg.
Die Biebrza ist ein naturbelassener Fluss und hat laut Katharzyna Ramatowska, einer ansässigen Naturkundeführerin, eines der größten Flussdeltas Mitteleuropas. Diese Naturschönheit wird es vielleicht nicht mehr lange geben. Umweltverschmutzung, Wilderer und neue Straßen bedrohen die noch nicht begradigten Flüsse. Die Feuchtwiesen am Rande des Flusses werden kaum noch gemäht, da die Kinder der Bauern lieber in die großen Städte ziehen. Mit der Landwirtschaft allein können sie ihren Lebensunterhalt kaum verdienen. Dadurch wächst allerdings der nicht weit entfernte Wald immer näher an den Fluss heran. Kleine seltene Pflanzen, die auf den Feuchtwiesen gedeihen, wird es nicht mehr lange geben, wenn sich nichts ändert.
Wolfsspuren und eine Moorwanderung
Katharzyna führt uns durch den Urwald und durch das Niedermoor des Nationalparks. Im Sommer ist das Moor trocken, im Frühling versinkt alles in bis zu zwei Meter Wasser. Nur Elche wagen sich dann ins Moor. Sie gehen ungern baden. Aber sie fressen eine bestimmte Pflanze so gern, dass sie dafür dennoch ins Wasser gehen. Unsere Leiterin zeigt uns im Wald das Skelett einer Elchkuh, die von Wölfen getötet wurde. Nur die Knochen sind noch zu sehen. In der Nähe entdeckt sie Spuren von jungen Wölfen. "Hier haben vor einigen Minuten noch ein paar junge Wolfswelpen gespielt", erzählt sie uns.
Die Masurische Seenplatte
Elk, masurische Seenplatte. Wir sind nun in den Masuren. Diese umfassen etwa 1000 Seen und sind ein Erbe der Eiszeit. Wir fahren mit den Rädern am Rand mehrerer Seen entlang. Der Wind bläst manchmal recht stark. Die Landschaft ist außerdem sehr hügelig, wodurch wir schon mal kräftiger in die Pedale treten müssen. Wir sehen unterwegs viele Störche, die sich in Gruppen sammeln. Es ist Ende August und sie bereiten sich gerade auf ihren Flug nach Afrika vor. Am Abend sind wir müde und froh, als wir an unserem nächsten Hotel ankommen. Es ist sehr idyllisch: Pferde grasen vor dem Hotel und kleine Kätzchen schmiegen sich um unsere Beine.
Am nächsten Morgen unternehmen wir eine Schiffreise durch die masurischen Seen. Wir sehen eine Naturreservat-Insel, auf der Tausende von Kormoranen sitzen. Sie sehen uns neugierig an. Was sie wohl über uns denken?
Wolfschanze und Heilige Linde
Unsere Reise führt uns weiter zu den Resten von Hitlers Hauptquartier, Wolfsschanze. Wir besuchen noch einige Sehenswürdigkeiten wie vor allem die wichtigste Pilgerstätte Masurens: Swieta Lipka (dt. Heilige Linde). Die Barockkirche stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Legende nach soll hier einem zu Tode Verurteilten die Mutter Gottes erschienen sein. Er schnitzte ihr Ebenbild in ein Holzstück, das seine Richter so beeindruckte, dass sie den Mann frei ließen. Das Bildnis hängte er darauf an eine Linde, in deren Nachbarschaft Jesuiten schließlich das berühmte Kloster errichteten: safrangelb, barock verziert. In dem heiligen Gebäude steht Polens zweitgrößte Orgel. Während des Spiels bewegen sich an ihr kleine verzierte Figuren.
Für wen die Reise geeignet ist
Alles in allem war dies ein sehr schöner Urlaub, geprägt von Naturerlebnissen und der vorbildlichen Gastfreundschaft der Einheimischen. Wir können die Reise jedem weiterempfehlen. Die Fahrradtouren können je nach Belieben kürzer oder länger gestaltet werden. Wenn die Radtour zu lange ist oder wenn Sie eine Panne haben, holt Sie ein Mitarbeiter des Reiseveranstalters auch immer gerne von einem verabredeten Treffpunkt ab.
Weiterführende Informationen:
Reiseveranstalter ReNatour www.renatour.de
Forum Anders Reisen www.forumandersreisen.de
Nature Travel www.masuren.travel.pl
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