
3 Tage vor dem Abflug kommen dann doch ein paar Bedenken auf… wird auch alles klappen, stehe ich das durch mit meinen 59 Jahren?
Bis Marrakesch geht noch alles gut; meine Mitreisende Sabine habe ich noch nicht gesehen. Am Flughafen werden wir von Zaid, unserem Führer empfangen. Erstes Beschnüffeln, und gleich geht`s ins Taxi (mit dem Auto sollen wir bis nach M`hamid, dem Start unserer Wanderung, kommen???).
Es fängt auch gleich gut an, nach einer Stunde stehen wir im Stau – ein LKW ist auf der einzigen Straße umgekippt, und wir müssen ca. 4 Stunden warten. So ist es schon dunkel, als wir durch Quarzarzate kommen und unser Hotel beziehen können. Hier essen wir unsere erste Tajine und schlafen ganz gut. Es ist nachts noch richtig kalt.
Am nächsten Morgen warten wir eine Stunde beim Frühstück auf Zaid – Zeitumstellung vergessen. Danach geht es weiter nach Zagora. Dort deponieren wir unser „großes“ Gepäck im Hotel - und werden eingekleidet mit einer witzigen Hose, einem „Hemd“, der Gandora, und einen „Schech“, der Kopfbedeckung – ein großes Tuch, wie soll das auf dem Kopf sitzen?

Nach dem Essen geht es weiter – noch einmal 90 km bis nach M`hamid. Hier werden wir gleich von Ibrahim, unserem zweiten Begleiter, in unserem ersten „Lager“ empfangen. Es gibt erst einmal Tee zur Begrüßung. Danach geht Zaid die Dromedare holen, und wir erkunden erst einmal die nähere Umgebung. Eine völlig andere Welt!

Nach Zaids Rückkehr gibt es was zu essen: Suppe, Huhn und Gemüse – lecker, das schmeckt besser als in den Hotels. Die Jungs geben uns noch eine kleine Nachtmusik mit ihren Trommeln und Gesang – diese Musik ist für mich gewöhnungsbedürftig, Sabine ist damit besser vertraut. Danach verziehen wir uns in unser Zelt und testen zum ersten Mal unsere neuen Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen um sieben Uhr wird das Lager allmählich wach. Nach dem Frühstück werden die Zelte abgebaut, und das Packen beginnt. Es ist unglaublich, aber alles was da herumgelegen hat, ist letztendlich gut auf den 3 Dromedaren verstaut worden.
Endlich geht es richtig los! Wir marschieren etwa eineinhalb Stunden, bis wir eine kleine Pause machen – es gibt zu Trinken und ein paar Knabbereien („marokkanisches Studentenfutter“).
Weiter geht’s bis etwa ein Uhr. Die Dromedare werden von ihrer Last befreit, Unterlagen und Decken werden ausgebreitet, und Zaid beginnt zu kochen.
Es gibt einen Salat und Tajine. Faszinierend, was bei diesen Bedingungen möglich ist.
Danach wird geruht bis zum Nachmittag. Heute reite ich zum ersten Mal auf „Sherif“. Es geht ganz gut, nur wenn das Dromedar aufsteht, muss man sich gut festhalten. Die Dünenlandschaft ist unglaublich schön, und wir fotografieren was das Zeug hält.
Es beginnt zu dämmern, und wir bauen unser Lager wieder auf – nachdem wir gestern gut aufgepasst haben, kriegen Sabine und ich das Aufbauen unseres eigen Zeltes schon ganz gut alleine hin.
Es gibt erstmal Tee, dann beginnt Zaid wieder in seiner „Küche“ zu zaubern. Danach gibt es wieder Musik, und es geht bald „ab in den Schlafsack“.
Dieser Rhythmus wiederholt sich in den folgenden Tagen. Die Highlights sind immer wieder die Dünenlandschaft in immer anderen Formationen mit der traumhaften Zimtfarbe vor dem strahlend blauen Himmel, der Sternenhimmel und der im Lauf der Tage wachsende Mond – sogar eine Mondfinsternis haben wir sozusagen in der ersten Reihe erlebt – und natürlich die abwechslungsreiche Küche.
Interessant ist auch das Brotbacken in verschiedenen Variationen – zum Beispiel in der Asche des Lagerfeuers.
Natürlich geht es nicht immer durch Dünenlandschaft. Wir wandern an manchen Tagen stundenlang über Geröllflächen, die schier endlos erscheinen – in weiter Ferne ein einzelner Baum, der unser Ziel als Schattenspender für unsere Mittagsrast ist. Ausgetrocknete Flussbetten, an deren Ufer Reste verlassener Ortschaften mit „Reihenhäusern“ liegen und noch wunderschöne Tamariskenbäume Schatten spenden.

Wunderschön: ein blaues Feld mit Versteinerungen. Da bricht bei allen die Sammelleidenschaft aus. Hin und wieder tauchen auch tatsächlich Blumen in der Wüste auf.
Nachts gibt es manchmal Besuch: Esel, die mal sehen wollen, wie es in fremden Lagern schmeckt und Zaid eine ganze Nacht kosten, Mäuse, die sehr lustige Sprünge vollführen können, wenn wir die entsprechenden Geräusche („pfrfrfrfrfr“) machen.
Überhaupt ist das ganze Unternehmen mit mehr Spaß verbunden, als ich mir das vorstellen konnte – kein bisschen Abenteuer, ich habe mich gefühlt „wie in Abrahams Schoß“.
Bei der Rückkehr nach Zagora erfüllt mir Zaid noch einen großen Wunsch: ich wollte immer schon mal einen Hamam besuchen, und das bietet sich nach zehn Tagen in der Wüste ohne Haarewaschen usw. an. Das ist ein ganz spezielles Erlebnis - danach bin ich wie neu geboren und fühle mich gut genug, um auf Einladung Ibrahims Familie kennen zu lernen, wo uns eine Schwester schöne Hennaornamente auf die Hände malt. Leider ist mein Französisch nicht gut genug, um eine flüssige Unterhaltung zu führen, aber mit Händen und Füßen und ein bisschen Radebrechen klappt die Verständigung ganz gut.

Leider müssen wir nach zehn wunderschönen Tagen Abschied von der Wüste und von Ibrahim nehmen. Am Morgen kommt unser Taxi, und wir dürfen noch einmal die Fahrt durch den Hohen Atlas erleben, der sich jetzt wesentlich grüner zeigt als auf unserer Hinfahrt. Unterbrochen wird die Fahrt mit einem Besuch in einer Töpferei, wo wir nicht widerstehen können und Souvenirs kaufen.
In Marrakech machen wir mit Zaid noch einen Rundgang über den berühmten Markt Djemaa El Fna, und nach einer letzten Nacht im Hotel geht’s am nächsten Morgen (nicht ohne vorher noch ein paar Gewürze gekauft zu haben) zum Flughafen – Sabine schwer bepackt mit einer Tajine und einer Trommel, nur gut dass ich meine Hände frei habe und manchmal hilfreich eingreifen kann.
Der Abschied von Zaid fällt schwer, seine ständige Aufmerksamkeit, seine Kochkünste und seine Fähigkeiten als Reiseführer und Animateur sind bewundernswert, und ich hoffe, dass ich noch einmal die Gelegenheit haben werde, dieses tolle Erlebnis zu wiederholen.
Mehr Infos und Eindrücke unter www.princedusable.de
Werbung