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alternative-tour: Rumänien 2001 Reisebericht

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Mittwoch, 31. Januar 2007 11:02 Uhr Alter: 5 Jahr(e)
Kategorie: Reiseberichte
Von: Alexander Roesler

Rumänien 2001 Reisebericht

Mit einer 10-köpfigen Reisegruppe reiste ich mit dem Zug Anfang August für 3 Wochen nach Rumänien, einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.


Stabkirche Maramures

Stabkirche Maramures

Mit einer zehnköpfigen Reisegruppe reiste ich mit dem Zug Anfang August 2001 für drei Wochen nach Rumänien, einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hoppala, ist das nicht für ein weit größeres Land reserviert, nun dann waren Sie noch nicht in Rumänien. Es mag sein, dass es in Amerika einige Dinge gibt, die man nur dort tun kann, in Europa ist das in Rumänien der Fall.

Die Vorbereitungen für diese Reise wurden wesentlich durch einen Umstand erleichtert, der am 1.1.2001 in Kraft trat und das war die Abschaffung der Visumspflicht für EU-Bürger. Ich beschaffte Reiseführer, von denen es damals nur wenige gab und begab mich zum Bad Endorfer Bahnschalter, um die Reservierungen für die Fahrt zu erstehen. Zwei Wochenendtickets je Richtung und einen Gruppenfahrschein für Salzburg - Bukarest Nord und retour war das Resultat eines intensiven Tüftelns. Die Fahrt mit insgesamt 1700 km kam mir auf einem Sitz zu lang vor und es gab ja auch zwei sehenswerte Städte auf der Route, nämlich Wien und Budapest und so quartierte ich uns erst in Budapest und auf der Rückfahrt in Wien jeweils in Jugendgästehäusern ein, passend zu den Zugläufen, denn warum umsteigen, wenn der Platz dort recht einladend ist.

Rumänien ist ein dreigeteiltes Land, nicht nur sprachlich sondern auch geographisch. Die Großräume sind das hügelige Transsilvanien im Nordwesten, das in einen rumänischen und einen eigenständigen Teil geteilte Moldawien (ehem. Bessarabien) im Nordosten und die flache Walachei im Süden. Während in Transsilvanien deutsche und ungarische Minderheiten leben, sind im Süden und Osten ausschließlich Rumänen beheimatet. Geographisch trennt der Karpatenbogen die Landstriche und die Völker voneinander. Wer es heiß mag, fährt in die Walachei, die ans Schwarze Meer angrenzt und für seinen guten Wein bekannt ist, etwa die Mädchentraube, um nur eine Sorte zu nennen. Vor dem Karpatenbogen befindet sich Transsilvanien oder Siebenbürgen mit seinen Wehrkirchen und Burgen.

Unsere Reise begann mit dem Einstieg in den Regionalexpress in Bad Endorf, wo wir uns alle trafen und erst mal als Ziel Budapest hatten, der Hauptstadt Ungarns mit seinen vielen Türkischen Bädern und Kaffees, ein Muss für Genießer. Die Reise verlief nicht so, wie ich es mir erhofft hatte, da wir verspätet in Budapest ankamen und das Hotel erst gefunden werden musste. Planungen sind eben manchmal mit Hindernissen verbunden, die gemeinsam gelöst werden müssen. Nach einer etwas turbulenten Suche nach dem Hotel genossen wir eine wohlverdiente Ruhepause auf der Fischerbastei, der kirchlichen Hochburg Budapests. Eine Aussicht auf den Regierungssitz ließ uns den Stress vergessen und eintauchen in das uns Bevorstehende. Ich hatte zwei volle Tage für die Stadt eingeplant, fast ein wenig kurz für diese prächtige Stadt an der Donau.

Weiter ging es mit einem durchgehenden Zug bis in die Rumänische Hauptstadt Bukarest, die wir bei voller Dunkelheit erreichten - ab 2007 ist die Reise ab München mit dem Euro-Night Zug Kalman-Imre wieder ohne Umstieg in Budapest zu erreichen, Gesamtzeit: 22 Stunden. Bis zur rumänischen Grenze war die Fahrt unspektakulär, denn es geht durch die flache (langweilige) Puszta. An der Grenze wurden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Beim Blick auf das Geld war uns schnell klar, das es da mit dem Umrechnen ein kleines Problem geben würde, so viele Nullen! Italien und Jugoslawien ließen grüßen. Im Speisewagen machte uns ein Kellner darauf aufmerksam, wie das Geld im Land geschätzt wurde, leicht erklärlich.

Die ersten Eindrücke des Landes waren erst einmal alles andere als einladend und wir behalfen uns mit Witzen über das Land, um nicht in Melancholie zu verfallen. Da standen dutzendweise alte vergammelte Fabriken und wenn noch im Betrieb, waren die Rauchschwaden nicht gerade gesund, doch als die ersten Ortschaften ins Bild rückten, war die Melancholie verschwunden und echtes Staunen machte sich breit. Da standen Häuser, wie bei uns in Reih und Glied, schön rausgeputzt und daneben etwas fremd anmutende Gehöfte. Da war es also, das ach so oft gehörte Transsilvanien oder Siebenbürgen. Deutsche und Rumänen friedlich nebeneinanderwohnend und da war auch plötzlich das Verständnis für den unschätzbaren Reichtum der Deutschen Kultur! Der einfachen Reinlichkeit und Ordnung. Die Bilder die ich vorher von einem "Rumänien" gesehen habe mit dem Elend und dem vielen Dreck - die waren damit sofort revidiert. Ich habe dazu einen Ausspruch aus dem Wanderführer Rumänische Karpaten von Henning Scharz, der dazu passt: "Sie waren so mitleidig, weil es hier ja so wenig zu essen gibt und haben mich zum Essen eingeladen. Ich dachte nach dem ersten Gang: ´So das war jetzt die Vorspeise`aber dann kam schon der Nachtisch".

Gastfreundschaft wird in diesem Land der tausend Möglichkeiten sehr groß geschrieben, dies erfuhren wir, als wir von der Studienkollegin meines Bruders am Hauptbahnhof von Bukarest empfangen und in Ihre Wohnung gebracht wurden. Wir kamen um 23 Uhr an und wurden höflichst empfangen, eine Konversation auf Englisch wurde von der Mutter der Studentin schlicht weg abgelehnt: "Man sei in Rumänien und man verstehe schließlich seine "Landsleute"", teilte sie uns mit, als wir sie ungläubig ansahen. Man sei sehr unmutig über das Gehen der Deutschen, da nun die Zigeuner die schönen leerstehenden Häuser regelrecht zu Grunde richten würden. Hatten wir in Geschichte nicht ganz aufgepasst? Da hieß es doch die Deutschen müssten raus weil sie hier nicht erwünscht seien. Nette Ungereimtheiten, doch ich wollte hier einen Reisebericht verfassen und keinen Roman.

In Bukarest ist von dem einstigen Paris des Ostens leider nicht viel übrig geblieben, nachdem der Machthaber Ciausescu der Stadt seine Note aufgesetzt hat. Wir blieben hier einen Tag und fuhren anderntags in der Früh nach Constanta, der Schwarzmeermetropole. Unweit von dort mündet die Donau ins Schwarzer Meer. Unsere Fahrt ging von Constanta noch eine Stunde weit südlicher in die letzte große Stadt vor der bulgarischen Grenze, Mangalia. Die letzten Kilometer zum Grenzort Vama Vece legten wir mit einem Kleinbus zurück. Das hier sollte der Badeort für die Rumänen sein? Und der Eindruck der sich uns bot, war auch dem entsprechend. Viele Zelte, viele Kneipen und dementsprechend viele Musikboxen reihten sich hier auf. Aber nicht, dass Ihr den Eindruck erhaltet, das wäre hier ein Saustall, nein das würde ich eher einen geordneten Saustall nennen. Für das junge Publikum genau das Richtige.

Wir errichteten die Zelte, nachdem wir einen Obulus entrichtet hatten und sahen uns im Dorf um. Hier war buchstäblich die Walachei, so wie wir sie uns vorstellten, ein bisschen schmuddlig, sehr heiß und sehr viel Trubel. Das erste, was wir verloren, waren die Kleider, um ins Wasser zu gehen. Der Strand war fein und so weit, wie das Auge reichte. Das Wasser, sehr sauber und warm, mit exklusivem Ausblick auf ein rostiges Schiffswrack.

Am Abend gingen wir zum Essen in eine der vielen Bars. Wir blieben hier vier Tage, wobei schon am zweiten Tag nach einem Großeinkauf in der Stadt gekocht wurde. Die nahe Grenze zu Bulgarien hatte ihren ganz besonderen Reiz. Ein Abstecher über die Grenze dauerte durch die Abfertigung eine halbe Stunde, was uns jedoch nicht davon abhielt, ins sechs Kilometer entfernte Dorf zu wandern. Nicht nur die Sprache machte uns zu schaffen, sondern auch die Schrift. Ein Abstecher zum dortigen Strand zeigte uns, dass wir offensichtlich zu früh unser Zelt aufgeschlagen hatten. Dieser war leer und ruhig. Eine kleine Pension mit Vollpension kostete hier 19 DM (8,50 €) den Tag, eigentlich ganz erschwinglich. Wir waren sehr hin und hergerissen einfach umzusiedeln.

Anderntags ging es gen Bukarest zurück und von dort nach Brasov, zu deutsch Kronstadt. Brasov ist von Bukarest aus gesehen die erste Stadt in Transsilvanien. Hier teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe stieg von hier aus in die Berge auf und die andere Gruppe sah sich die Städte von Transsilvanien an. Treffpunkt war die Jugendherberge in Brasov. Ich schloss mich der"Bodentruppe" an und besorgte Fahrkarten bis Sibiu / Hermannstadt, der Kulturhauptstadt von 2007. Wir erreichten Sibiu am späten Nachmittag und wanderten vom Bahnhof erst mal in die Innenstadt. Ich empfehle jedem Rumänienreisenden eine Privatunterkunft oder eine kleine Pension - die sind sauber und günstig. Eine Pension war bald gefunden.

Hier noch ein Tipp für Tiefpreisreisende: Wenn Ihr früh genug kommt, dann sucht die Kirchen auf - dort kann man am günstigsten Quartier bekommen.
Es gesellte sich bald ein Führer zu uns, den wir mehr unfreiwillig als gewollt mitnahmen, um etwas mehr über die Bevölkerung zu erfahren und vor allem über die Waisenkinder!

Hier ein wenig Informatione über Sibiu, auch Hermannstadt genannt. Hermannstadt wurde von Deutschen gegründet und hat auch noch eine recht große deutschsprachige Gemeinde. Der Bürgermeister ist ebenso deutschstämmig und hat sehr dazu beigetragen, dass die Stadt dieses Jahr Kulturhauptstadt wurde. Es wurde viel neugebaut und renoviert, so dass sich die Stadt echt sehen lassen kann.  Nahe der Stadt befindet sich ein Dorf aus dem 18. Jahrhundert, das außer einer Straßenbeleuchtung, Stromanschlüssen und einer Überlandstraßenbahn noch absolut genauso aussieht wie damals. Pferdefuhrwerke fahren herum und das Leben spielt sich am Dorfplatz ab. Ein Einkaufsladen bestreitet, wie bei uns der "Tante Emma Laden", alles, was das Herz so begehrt. Sogar das Brautkleid kann dort erworben werden.

Weiter ging es mit dem Zug und einer waghalsigen Busfahrt zu einem Stausee in den Abuseni-Bergen, wo wir nach Landesmanier einfach wild zelteten. Der nahe gelegene Ort Beles hat auch einen "Gemischtwarenladen", aber wer sich darunter einen deutschen Laden vorstellt, irrt gewaltig. Der findige Rumäne macht aus einer Garage mit Vorbau einfach einen schmucken Laden und Cafe-Bar der einfachsten Sorte. Hier war einfach nichts außer paar Häusern, vielen Pferden und eben diesem Laden. Der Bus kam nur am Vormittag und am Abend. Freundliche Rumänen mit Pferdefuhrwerk hätten uns jedoch gerne bis zum Bahnhof in 30 km Entfernung gebracht. Wir empfanden eine Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die man hier zu Lande leider nur in äußerster Not erfährt.

Von diesem beschaulichen Nest ging es nach zwei Tagen nach Sighisoara / Schäßburg, dem "Nürnberg des Ostens", ein wahres Kleinod. Man hat doch sicher schon vom Graf Dracula und den Vampieren gehört? In Schäßburg steht das Vaterhaus von Graf Dracula und bitte sprecht die Rumänen nicht auf Vampire an, denn das mögen sie nicht so gern, jedoch den Sohn Graf Draculas um so lieber.

Jener war damals dafür verantwortlich, dass sämtliche Verbrechen im 14. Jh. geahndet und mit dem Tod bestraft wurden. Die Art, wie er die Leute zur Strecke brachte, war allerdings einzigartig. Er ließ sie pfählen. Graf Dracula, zu Deutsch der Pfähler, war ein Sonderling. Er konnte die Sonne nicht ertragen und war deswegen Nachts unterwegs, was einen Engländer dazu animierte, die bekannten Vampirromane über den Grafen zu erfinden. Die Rumänen lieben ihren Nationalheld Graf Dracula, weil er es fertig brachte, dass man ohne Risiko auf der Straße reisen konnte und das zu einer Zeit, als man das von Deutschland eher nicht behaupten konnte. So viel zur Geschichte.

Schäßburg liegt auf einer Anhöhe, wenigstens die Altstadt, die von Bahnhof gut zu erreichen ist (erreichbar von München ohne Umsteigen!). Sie ist umgeben von einer Stadtmauer, die an ihren beiden Ausgängen bombastische Türme aufweist, die Wahrzeichen der Stadt. Der Ostturm birgt ein Museum mit einem rundumführenden Balkon, von dem aus man die ganze Stadt besichtigen kann. Alle wichtigen Städte der Welt sind mit Himmelsrichtung und Entfernungsangaben vermerkt.

Empfehlenswert für den Gourmet unter Euch ist das Restaurant am Ostturm. Es ist im Vaterhaus von Graf Dracula untergebracht. Die Tomatensuppe ist ein Gedicht! Es gibt für den Liebhaber von dubiosen Geschichten noch so manche Besonderheiten. Ende Juli findet hier ein Folkfestival der Superlative statt. Dann ist es Schluss mit der Beschaulichkeit in der Stadt und es wimmelt nur so von Musikbegeisterten. Im Schwimmbadgelände gibt es dann Gelegenheit zum Zelten.

Unsere letzte Etappe führte uns von dieser schönen Stadt nach Brasov / Kronstadt zurück. Hier hatte Causescu mit seiner Umgestaltung einer bestehenden Stadt in eine Stadt nach dem Reisbrett angefangen. Die Entmachtung hat das beendet, sodass dem Besucher auch noch das alte Kronstadt erhalten blieb. Der Betrachter mag sich sein eigenes Bild machen, was er schöner findet.

Unser Zwischenstopp auf der Rückfahrt in Wien war dann der Ausklang einer sehr abwechslungsreichen Fahrt. Für den einen oder anderen war es hoffentlich eine Anregung, um das eine oder andere in Rumänien anzusehen. Ich verweise mit Nachdruck noch auf die Moldauklöster und freue mich auf viele Nachahmer.


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