Werbung

BahnCard und Surf&Travel
< Reisebericht aus Slowenien
Dienstag, 15. Mai 2007 14:22 Uhr Alter: 5 Jahr(e)
Rubrik: Reiseberichte
Von: Alexander Roesler

Radtour nach Rügen 1999

Nach reiflich langer Überlegung starteten Mein Bruder ein Freund und noch drei weitere Fahrradbegeisterte von Endorf aus gen Osten.


Nach reiflich langer Überlegung, starten mein Bruder, ein Freund und noch drei weitere Fahrradbegeisterte, darunter ich natürlich, von Bad Endorf aus gen Osten. Unsere Truppe teilt sich bald in den jüngeren und älteren Teil auf und so machen wir einen Treffpunkt aus, um sich wieder zu vereinen. Der jüngere Teil bestehend aus meinem Bruder, meinem Freund und einer netten jungen Dame strebt von Endorf aus über die Seenplatte, Seeon, Altenmarkt und Tittmoning nach Burghausen, mit seiner längsten Burganlage Mitteleuropas. Dort angekommen, lässt uns noch der ältere Teil warten. Und so bleibt uns nichts anderes übrig als die beiden Herrn im Cafehaus zu erwarten. Etwa eine Stunde später trudeln sie nassgeschwitzt ein. Wir gönnen nun auch ihnen die wohlverdiente Ruhepause und setzen anschließend die Tour über die Brücke nach Ach/Salzach in Oberösterreich fort.

Es lohnt sich von der gegenüberliegenden Anhöhe noch einen Blick auf die malerisch gelegene Burganlage. Unsere erste Übernachtung legen wir unweit von Braunau ein. Es gibt für die müden Radler Erdäpfelkas mit Brot. Eine Spezialität des Innviertels. Die hochdeutsche Bezeichnung dieses Gerichtes ist Kartoffeln mit Frischkäse.

Der zweite und kürzere Tag führt uns über Obernburg/Inn und Schärding nach Passau. Das recht kurze Stück ist erst etwas eintönig, da es recht lang am Inndamm entlang geht - die Inn/Salzachmündung kurz vor Braunau hat jedoch durchaus seine Reize. Ab Schärding verengt sich das Inntal und wird recht einsam, da bis auf die Bahn nur eine kleine Fahrstraße auf österreichischer und nur ein Treidelpfad auf deutscher Seite Platz haben. Passau wird nach dem Grenzübergang erreicht und dann geht es über den Fußgängerweg, der im Volksmund auch gern Fünferlsteg genannt wird -in den 1950 Jahren wurde hier noch Brückenzoll in Form eines Fünfpfennigstückes erhoben - in die Donaustadt. Passau hat drei Teile: eine Ilzstadt, eine Donaustadt mit dem Dom und die Innstadt. Die Bewandtnis der Namensgebung liegt auf der Hand, er stammt von den drei Flüssen, die hier zusammenfließen. Ein Durchfahren der kleinen Gassen hinauf zum Dom und weiter Richtung Wien ist für Radfahrer durchaus problematisch - wir setzen uns ans Inn-Donauknie und flicken erstmal den ersten Plattfuß. Hier trennen wir uns auch von unseren Begleitern und suchen eine Unterkunft nahe der Stadt, da wir noch eine ausgiebige Tour durch die Stadt und eine Besteigung der Festung hoch über der Stadt auf der linken Donauseite mit sagenhaftem Ausblick auf die Stadt unternehmen wollen. 

Am dritten Tag der Tour steht eine Bergtour auf dem Programm: Passau liegt auf 290 Metern und unser heutiger höchster Punkt Haidmühle auf 800 Metern. Es geht also auf kleinen Landstraßen gemütlich von der Donauradroute den Berg hoch über Jandelsbrunn, Altenau nach Haidmühle. Zwischendurch laben wir uns an den vielen Blaubeeren, die die stillgelegte Bahnstrecke, auf dem nun der Fahrradweg verläuft, säumen. In Haidmühle rasten wir in einem gemütlichen Biergarten und rüsten uns für eine der malerischsten Etappen Richtung Prag. Unweit hinter dem Ort liegt die Grenzstation, die nur von Fahrrädern und Fußgängern benutzt werden darf. Ich weise darauf hin, das ich diese Art Grenzübergänge bevorzuge, da es einfach keine Warteschlange gibt. Die Bahnstation unweit der Grenze wird von der tschechischen Seite aus recht oft angefahren. Bis hierher gilt übrigens auch das Wochenendticket! Wir wollen jedoch untergründige Hitzewallungen dämpfen und uns auf den Radweg konzentrieren. Es geht hier erst mal durch Stosec und weiter durch den Wald nach Cerni Kric, wo wir an den Zusammenfluss der beiden Moldauarme kommen. Während die "kalte Moldau" in Kvilda zu Tage tritt, entspringt die "warme Moldau" unweit von Haidmühle und ist eine der wenigen Flüsse, die aus dem Bayrischen Wald in die Nordsee münden. Ab hier ist die Moldau auch oft genutztes Kanu-Gewässer. Wir grüßen die vielen Kanufahrer mit dem landesüblichen Gruß "Ahoi" und kommen bald an den Moldaustausee. Wir fahren an dessen Westufer bis zur Staumauer und überqueren selbige, um dann im nahe gelegenen Dorf Lipno zu nächtigen. Die Fahrt bis hierher ist wegen einer absoluten Ruhe einfach fantastisch. Es gibt nur ganz wenige Häuser aufgrund der Nähe zum früheren eisernen Vorhang. Weiter geht es auf sehr schmalen und etwas holprigen Teerstraßen dahin -  ein Genuss für jeden Naturfreund, da es hier von seltenen Blumen nur so wimmelt.

Der vierte Tag steht dem dritten um nichts nach. Es geht an einer kleinen Bundesstraße über Vissebrod, Rozmberk, dem Moldauknie nach Ceske Krumlov. Hier gibt es einige sehenswerte Abschnitte mit Alleebäumen und sehr schönen alten Gehöften sowie alten Dörfern. Die Moldau biegt hier endgültig von der bisher parallelen Donau gen Norden ab und schlängelt sich durch herrliche Mäander durch die reizvolle enge Landschaft. Kurz vor Krumlov befindet sich ein altes Wehr, dessen Vorbecken zum Baden einlädt. Ab Krumlov verabschieden wir uns von der Moldau und fahren ins Landesinnere Richtung Ceske Budejovice, unserem heutigen Stopp.

Der fünfte Tag führt uns an der immer größer werdenden Moldau entlang bis zum Schloss Orlik. Die Moldau wird hier wieder aufgestaut und so ist ist nicht mehr viel vom etwa 10 Meter tieferliegenden reizvollen und mit Stromschnellen versehenen viel besungenen Flusslauf zu erkennen, der jetzt eher träge dahinfließt. Die Fahrt bis zum Schloss geht wegen des unwegsamen Geländes am Moldauufer etwas vom Strom abseits, über das Land und am neuen Kernkraftwerk von Temelin vorbei. Die alte Landstraße wird hier von wilden Zwetschgenbäumen gesäumt, was uns veranlasst, immer wieder Pausen zum Naschen einzulegen. Da es uns nahe des Schlosses Orlik jedoch nicht gelingt, ein Quartier zu bekommen, breiten wir kurzer Hand unsere Schlafsäcke im nahe gelegenen Wald aus.

Am sechsten Tag erreichen wir bei einem schaurigen Nieselregen, der jedoch erst gegen Mittag einsetzt, die tschechische Hauptstadt Prag. Wir finden alsbald eine Touristeninformation, die uns bereitwillig ein Quartier vermittelte. Das sehr saubere und geräumige Zimmer ist in zwei Etagen unterteilt, was uns ermöglicht unsere Fahrräder ins Zimmer mitzunehmen. Mit dem sicheren Gefühl, das unsere Fahrräder auch nicht wegkommen, machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Prag ist als Weltkulturerbe der Unesco eingetragen und verdient den Namen "Stadt der 500 Türme" zu recht. Viele verwinkelte Gassen, nette beschauliche Kneipen, bäriges Nachtleben und viele Museen machen die Stadt zu einem vielseitigen Erlebnis. Die Moldau macht auf ihrem Weg zur Elbe eine riese S-Kurve durch die Stadt. Die legendäre Karlsbrücke verbindet die weltliche mit der aristokratischen Stadt: dem Vischehrad (der Burganlage) und dem Radschin (der Festungsanlage).

Wir bleiben zwei Tage in Prag.

Am achten Tag fahren wir am Rande der Moldau und Elbe ins Tschechische Erzgebirge über Litoměřice nach Cieszyn (Teschen). Die Fahrt dort hin wird erst nach Litoměřice richtig interessant. Man fährt in einen engen Einschnitt an Weingärten entlang und hat die zwar schroffen aber bewaldeten Berge vor Augen. Es geht meist abseits auf eigenen Radwegen entlang der Elbe.

Der neunte Tag führt nur wenige Kilometer über die Grenze nach Bad Schandau zur Jugendherberge, die durch eine kleine steile Straße zu erreichen ist. Da die sächsische Schweiz nur recht klein ist, aber den Alpen in nichts nachsteht, war in unserem Programm hier auch ein längerer Aufenthalt vorgesehen. Wir wandern in das Tal der Kirnitzsch und fahren mit der Trambahn ein Stück weit, den dortigen Stausee aufzusuchen. Ich empfehle den Besuchern dieser Gegend wärmstens einen längeren Aufenthalt. In der Zeit von Jahrmillionen hat sich durch die Auswaschung der Steine eine sagenhafte Landschft entwickelt. Es gibt Klettersteige wie auch einfache Touren.

Am zehnten Tag fahren wir erst am Nachmittag weiter, da es bis zu unserem heutigen Ziel, bei einem Mitstudent meines Bruders, nicht so weit ist. Es geht entlang der Elbe durch die schroffen Elbsandsteine weiter gen Dresden, das wir jedoch links liegen lassen, um Richtung Oder zu kommen.

Tag 11 bringt uns bis Bad Freienwalde, einem netten Städtchen am Rande des Oderbruchs. Die Feldwege werden zunehmend sandig und sind teilweise auch schon mit Natursteinpflastern befestigt. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Fahren. Die Landschaft ist hügelig und wenig besiedelt.

Tag 12 bringt uns in den Tagebergbau bei Bauzen. Unsere Straße, im Atlas noch durchgehend, endet einfach und wird plötzlich durch eine Sandpiste abgelöst, die wir nur mit Müh und Not bewältigen. Unser Ziel ist die Burg in Bradenburg. Wir können heute zwar nicht die komplette Sonnenfinsternis beobachten, doch auch so hat das Schaupiel seinen Reiz.

Weiter geht es am 13. Tag in die Nähe von Berlin mitten in den Spreewald. Eine Dame, die sich uns anschließt, meint freudig, ob wir den Gurkenweg benutzen wollen. Er schlängelt sich kreuz und Quer durch die Prärie und wird uns eher hinderlich. Die Spree fließt  hier in dünnen Armen durch das flache bewaldete Gelände. Man kann hier mit dem Kanu herrliche Fahrten unternehmen.

Mit dem 14. Tag erreichen wir auf staubigen Straßen Mecklenburg-Vorpommern und fahren an großen Seen entlang nach Strelitz zu einer Bekannten. Die Landschaft ist etwas hügelig und von vielen Flüssen durchzogen. Strelitz hat wunderbare Parkanlagen, die zu einem Besuch einladen und liegt am zweitgrößten See Deutschlands, dem Müritzsee.

Am 15. Tag gelangen wir auf Nebenstraßen über Neubrandenburg nach Demin, einer Stadt, die zu 90 % im Krieg zerstört war und deren einzigster Stadtturm heute die Jugendherberge birgt. Dementsprechend originell sind auch die Zimmer aufgeteilt. Das Nachtleben ist hier sehr lebendig und man kann bis spät weggehen.

Unser 16. Tag bringt uns schließlich dem Ziel schon sehr nahe. Leider haben wir wieder mit Regen zu kämpfen, doch unser ,die Küste zu erreichen, ist größer. Unser heutiges Ziel, die Hansestadt Stralsund, liegt an der Ostsee. Von hier aus geht es mittels Hubbrücke nach Rügen. Es gibt noch weitere Verbindungen, jedoch nur mit der Fähre. Hier in Stralsund finden wir ein recht maues Nachtleben vor. Die meisten Lokale schließen um 18 Uhr.

Am 19. Tag erreichen wir endlich unser Ziel, die Insel Rügen. Wir biegen hinter der Hubbrücke gleich auf den Inselradweg ein und fahren weit ab von lästigem Straßenlärm über Göhren nach Binz, unserem endgültigen Reiseziel. Die Jugendherberge mit seinen saftigen Preisen und Kurtaxe versalzt uns die Stimmung etwas. Dennoch machen wir einen Ausflug mit dem "Rasenden Roland", der Rügenschen Kleinbahn bis Göhren und fahren mit dem Schiff zum Kreidefelsen. Hiermit endete unsere Reise durch Deutschland. Den Rückweg legen wir mit der Bahn zurück. Den freundlichen Mitarbeiterinnen des dortigen Reisebüros sei es gedankt, das diese Fahrt sehr harmonisch verlief.


Nachricht von der Erweiterung "comments": Es scheint, dass das TypoScript-Template der Erweiterung nicht dem Haupt-TypoScript-Template hinzugefügt wurde. Wie TypoScript-Templates von Erweiterungen dem Haupt-TypoScript-Template hinzugefügt werden können, entnehmen Sie bitte dem Kapitel "Administration" der Anleitung.

Werbung

MP3 Reisewörterbuch für den Urlaub